Lang ist's her, nicht aus Mangel an Ereignissen, sondern eher dem Gegenteil davon. Das Schicksal ist schon manchmal ein ziemliches Arschloch; wenn man wie ich (wenn auch eher heimlich und nicht unbedingt offensiv/fanatisch) der Karma-Theorie anhängt, umso mehr.
In meinem letzten Post behandelte ich ja bereits die große Frage "Warum der, und der aber nicht!?". Diese Frage stellt sich nun in meinem Privatleben mit noch größerer Dringlichkeit. Ohne ins Detail gehen zu wollen, darf ich sagen, daß der liebe alte Herr Murphy, der mir schon in den letzten 2 Jahren ein zwar lehrreicher, aber dennoch unliebsamer Lebensbegleiter war, schon wieder feist aus meinem Rucksack grinst, und nicht nur mir, sondern vor allem meinen Lieben dornengespickte Knüppel zwischen die Beine wirft. Ich kann nur hoffen, daß er es wie bislang mit der Prämisse hält, größtmöglichen Schrecken samt Verdruß zu verbreiten, um dann letzten Endes den Kollateralschaden doch deutlich geringer zu halten als befürchtet. (Allerdings hat er sich zum jetzigen Zeitpunkt schon ausgesprochen weit aus dem Fenster gelehnt.)
Mit dieser Situation einher gehen zahlreiche side effects, wie der neudeutsche Mediensack so gerne sagt. Wenn man eine Beziehung beendet, ohne sie aufgrund gemeinsamer Verpflichtungen wirklich endgültig beenden zu können, zieht das zumeist schon für sich genommen eine schmerzhafte finanzielle Enge nach sich. Trifft nun den ehemaligen Lebenspartner auch noch eine schwere gesundheitliche Beeinträchtigung, die ihm für geraume Zeit seine freiberufliche Tätigkeit verwehrt, dann fängt das Konto an zu japsen; meines läuft gerade puterrot an (und das in der ersten Woche des Kalendermonats).
Nun hätte ich gerne mein Leben neu ordnen wollen - angefangen bei meinem Privatleben, das sich nun mißachtet und ausgehungert wieder an den Katzentisch verkrümeln muß, über die bereits angesprochenen Finanzen, die ich ganz gern geordnet gesehen hätte, bis hin zu einem längst überfälligen beruflichen Neuanfang, der eines gewissen monetären und energetischen Polsters bedürfte.
Nix da, sagt das Schicksal, du setzt dich jetzt hin und ziehst das durch, bist für deine Ex und die Kinder da und gewöhnst dir gefälligst auch ab, dauernd so leckeres Zeug zu essen oder mit irgendwelchen dahergelaufenen Bekannten sogenannte Kneipen zu frequentieren. Das ist eh nichts für dich, nicht mehr in deinem Alter. Bleib zu Hause, sortier deine Plattensammlung nach Farbe oder Erscheinungsjahr, lies endlich die Bücher auf dem "to do"-Stapel, suhl dich in deiner Depression, die dir von deinen Vorgesetzten (denen du ja eigentlich längst den Stinkefinger hättest zeigen wollen) genüßlich induziert wird, und halte dich bereit, falls du als Organisationsjoker oder Trösterle gebraucht wirst.
Klar, es kann einen noch schlimmer treffen. Siechend. Tödlich. Ohne Hoffnung. Ich weiß. das sag ich mir auch die ganze Zeit, und es hilft sogar.
Am schlimmsten ist ohnehin die Angst, daß es auch so kommt. Herr Ober, bitte ein Prozac.
Kirst Uhl - Fackel im dunklen Tunnel des Alltags
Dienstag, 8. November 2011
Donnerstag, 13. Oktober 2011
himmel und hölle
wenn mehrere einem mehr oder minder nahestehende personen zeitnah furchteinflößende diagnosen erhalten, fragt man sich dies oder jenes: wann bin ich dran? bin ich überhaupt dran? wenn ich nicht bald dran bin - hab ich das verdient? wenn ja, wodurch? und wer ist eigentlich dieser komische herr karma?
meine tante, auf gottesfürchtigem hause, und nach ebenjenem und dem bilde meiner großeltern nach wohlgeraten, weiß bescheid. der herr gibts, der herr nimmts, und seine wege sind unerforschlich. ich habe größte hochachtung vor ihrem gott, der überall gleichzeitig ist, 7 millionen menschen simultan innen- und außenüberwacht (und das wohl komplett trojanerlos), und gleichzeitig die abermilliarden bereits verstorbenen nach uns nur teilweise einsichtigen ethischen maßstäben aburteilt.
ich für meinen teil wüßte zu gern, welche meiner handlungen und/oder gedanken mich für die hölle bzw das paradies qualifizieren könnten - ich wage nur in wenigen fällen eine prognose zu stellen. richtig böse bin ich ja nicht; ich habe zumindest nur einen verschwindend geringen prozentsatz meiner kinetischen energie darauf verwendet, anderen zu schaden, und auch das meist nur beim monopoly. der grund dafür wiederum liegt nur zum teil in meiner güte und milde, weitaus öfter ist er in indifferenz und stinkender faulheit zu suchen. letzteres wiederum gilt als eine der todsünden. bin ich nun dem fegefeuer oder gar den ewigen qualen geweiht, weil ich zu faul war, anderen eins überzubraten? ach so, ich muß ohnehin da runter, denn ich bin ja evangelisch getauft. die katholiken kommen allerdings ebensowenig davon, glaubt man diversen protestantischen sekten. laut beipflichtend applaudieren zahlreiche muslime, welcher strömung sie jetzt auch immer genau angehören mögen, ich kenn mich da nicht so aus. frage: kloppen sich allah und gott irgendwo, oder feixen sie gemeinsam? daß sie ein und dasselbe sind, ist mir ja schon fast wieder zu wohlfeil.
ich persönlich halte folgendes szenario für weitaus realistischer: wenn gott mich nach seinem bilde schuf, muß er ja auch mindestens so schusselig und verplant sein wie ich. gut, er ist allmächtig, das mag hinhauen. aber allwissend? und in allem? bei mir ist alles überall, aber ich hab keine ahnung, wo. und so hat gott uns vermutlich auch verlegt. irgendwo hingetan, weil er noch was anderes zu tun hatte, und jetzt findet er uns nicht mehr wieder. und deswegen hat eine mir nahestehende person demnächst eine schwere op vor sich, und ein anderer, sehr gewertschätzter mensch völlig unverdienterweise einen noch undiagnostizierten golfball im kopf, und ich hab - vorläufig - nix. ebenso unverdient. weil gott nicht durchblickt. nehmt es hin, christen, moslems, hindus, juden - es ist wie beim amt. wessen akte verlorengegangen ist, der kriegt seine rückzahlung später. wer in die stichprobe fällt, der kriegt auf den deckel. und hier wie dort hilft es nichts, sich zu ärgern. sorry.
meine tante, auf gottesfürchtigem hause, und nach ebenjenem und dem bilde meiner großeltern nach wohlgeraten, weiß bescheid. der herr gibts, der herr nimmts, und seine wege sind unerforschlich. ich habe größte hochachtung vor ihrem gott, der überall gleichzeitig ist, 7 millionen menschen simultan innen- und außenüberwacht (und das wohl komplett trojanerlos), und gleichzeitig die abermilliarden bereits verstorbenen nach uns nur teilweise einsichtigen ethischen maßstäben aburteilt.
ich für meinen teil wüßte zu gern, welche meiner handlungen und/oder gedanken mich für die hölle bzw das paradies qualifizieren könnten - ich wage nur in wenigen fällen eine prognose zu stellen. richtig böse bin ich ja nicht; ich habe zumindest nur einen verschwindend geringen prozentsatz meiner kinetischen energie darauf verwendet, anderen zu schaden, und auch das meist nur beim monopoly. der grund dafür wiederum liegt nur zum teil in meiner güte und milde, weitaus öfter ist er in indifferenz und stinkender faulheit zu suchen. letzteres wiederum gilt als eine der todsünden. bin ich nun dem fegefeuer oder gar den ewigen qualen geweiht, weil ich zu faul war, anderen eins überzubraten? ach so, ich muß ohnehin da runter, denn ich bin ja evangelisch getauft. die katholiken kommen allerdings ebensowenig davon, glaubt man diversen protestantischen sekten. laut beipflichtend applaudieren zahlreiche muslime, welcher strömung sie jetzt auch immer genau angehören mögen, ich kenn mich da nicht so aus. frage: kloppen sich allah und gott irgendwo, oder feixen sie gemeinsam? daß sie ein und dasselbe sind, ist mir ja schon fast wieder zu wohlfeil.
ich persönlich halte folgendes szenario für weitaus realistischer: wenn gott mich nach seinem bilde schuf, muß er ja auch mindestens so schusselig und verplant sein wie ich. gut, er ist allmächtig, das mag hinhauen. aber allwissend? und in allem? bei mir ist alles überall, aber ich hab keine ahnung, wo. und so hat gott uns vermutlich auch verlegt. irgendwo hingetan, weil er noch was anderes zu tun hatte, und jetzt findet er uns nicht mehr wieder. und deswegen hat eine mir nahestehende person demnächst eine schwere op vor sich, und ein anderer, sehr gewertschätzter mensch völlig unverdienterweise einen noch undiagnostizierten golfball im kopf, und ich hab - vorläufig - nix. ebenso unverdient. weil gott nicht durchblickt. nehmt es hin, christen, moslems, hindus, juden - es ist wie beim amt. wessen akte verlorengegangen ist, der kriegt seine rückzahlung später. wer in die stichprobe fällt, der kriegt auf den deckel. und hier wie dort hilft es nichts, sich zu ärgern. sorry.
Dienstag, 4. Oktober 2011
die zukunft...
...sah in meiner kindheit metallisch und glänzend aus. stromlinienförmige fliewatüüts zischten durch von modelleisenbahnhaftem grün durchzogene wohnmaschinenagglomerationen, um wissenschaftler/ärzte/astronauten zu ihren labors/operationssälen/weltraumfahrzeugen zu bringen. man kann in den außenbezirken größerer städte noch heute ein paar überbleibsel der zukunft finden, allerdings recht speckig, und mit gegen null strebendem astronautenanteil.
auch die fliewatüüts lassen an funktionsvielvalt durchaus zu wünschen übrig, sind sie doch bei näherer betrachtung den sog. automobilen, die besagter zukunft zeitgenössisch zur seite gestellt waren, nur in eher unspektakulären details überlegen - atomreaktoren findet man in ihnen selten bis gar nicht, und fliegen kann man damit nur ausgesprochen unabsichtlich.
nun könnte man meinen, jene zukunft sei endgültig abgelöst von jenen anderen zukünften, die in meiner jugend en vogue wurden und um einiges dystopischer waren. ein gewisser herr orwell wurde, wenn schon nicht gelesen, so doch umso häufiger im munde geführt, doch hatte die mit ihm verbundene, alles überwachende und von grausigen, allwissenden schrankcomputern bevölkerte faschistoidale zukunft mit der konkurrenz der zeitgleich aufkommenden ökokatastrophenzukunft zu kämpfen, die eine reiche bilderwelt von baumlosen wüsteneien bot, in der mithilfs durchgeknallter atomkraftwerke zu drei- und vieräugigen mollusken mutierte restmenschen krochen, die sich gegenseitig den garaus machten. es entbehrt hierbei nicht der ironie, daß ausgerechnet die totalitäre zukunft auch die erste war, die ihre macht mit einer anderen teilen mußte.
dann drängelte sich auf einmal völlig unerwarteterweise eine positive zukunft in den kreis der griesgrämigen dystopien - ein gewisser mauerfall hatte hinz und kunz das hirn rosa vernebelt; und so war man sich unter zukunftsexperten einig: auch wenn nach wie vor das damoklesschwert der umweltkatastrophen über dem zukunftssektor hing, so würde die menschheit doch zumindest geeint und ohne kriege in der stinkebrühe verrecken.
heute wissen wir, daß die lage keineswegs so rosig ist, wie man es sich noch vor wenigen jahren erhofft hatte. der markt für zukunft ist stark zersplittert; neben dauerbrennern wie "umwelt" oder "bewaffnete konflikte" sind retrotrends wie "die jugend von heute", "das abendland versinkt" oder "es dreht sich alles nur im kreis" dominierend; echte zukunft baut man eigentlich nicht mehr. es gibt nur noch teilzukünfte, die nach geschmack kombinierbar sind, und im prinzip jede marktlücke abdecken sollten, wenn sie nicht samt und sonders dem diktat der dystopie folgen würden. eine kleidsame, naive zukunft im stil der frühen sechziger wäre zwar genauso retro, hätte aber durchaus aufmunternde und positive wirkung. zeit wird's, so etwas bei den zukunftscouturiers in auftrag zu geben. die haltbarkeit tut nichts zur sache - zukunft hatte noch nie etwas mit der gegenwart zu tun, zu der sie werden soll, sondern ausschließlich mit der, die sie schuf.
auch die fliewatüüts lassen an funktionsvielvalt durchaus zu wünschen übrig, sind sie doch bei näherer betrachtung den sog. automobilen, die besagter zukunft zeitgenössisch zur seite gestellt waren, nur in eher unspektakulären details überlegen - atomreaktoren findet man in ihnen selten bis gar nicht, und fliegen kann man damit nur ausgesprochen unabsichtlich.
nun könnte man meinen, jene zukunft sei endgültig abgelöst von jenen anderen zukünften, die in meiner jugend en vogue wurden und um einiges dystopischer waren. ein gewisser herr orwell wurde, wenn schon nicht gelesen, so doch umso häufiger im munde geführt, doch hatte die mit ihm verbundene, alles überwachende und von grausigen, allwissenden schrankcomputern bevölkerte faschistoidale zukunft mit der konkurrenz der zeitgleich aufkommenden ökokatastrophenzukunft zu kämpfen, die eine reiche bilderwelt von baumlosen wüsteneien bot, in der mithilfs durchgeknallter atomkraftwerke zu drei- und vieräugigen mollusken mutierte restmenschen krochen, die sich gegenseitig den garaus machten. es entbehrt hierbei nicht der ironie, daß ausgerechnet die totalitäre zukunft auch die erste war, die ihre macht mit einer anderen teilen mußte.
dann drängelte sich auf einmal völlig unerwarteterweise eine positive zukunft in den kreis der griesgrämigen dystopien - ein gewisser mauerfall hatte hinz und kunz das hirn rosa vernebelt; und so war man sich unter zukunftsexperten einig: auch wenn nach wie vor das damoklesschwert der umweltkatastrophen über dem zukunftssektor hing, so würde die menschheit doch zumindest geeint und ohne kriege in der stinkebrühe verrecken.
heute wissen wir, daß die lage keineswegs so rosig ist, wie man es sich noch vor wenigen jahren erhofft hatte. der markt für zukunft ist stark zersplittert; neben dauerbrennern wie "umwelt" oder "bewaffnete konflikte" sind retrotrends wie "die jugend von heute", "das abendland versinkt" oder "es dreht sich alles nur im kreis" dominierend; echte zukunft baut man eigentlich nicht mehr. es gibt nur noch teilzukünfte, die nach geschmack kombinierbar sind, und im prinzip jede marktlücke abdecken sollten, wenn sie nicht samt und sonders dem diktat der dystopie folgen würden. eine kleidsame, naive zukunft im stil der frühen sechziger wäre zwar genauso retro, hätte aber durchaus aufmunternde und positive wirkung. zeit wird's, so etwas bei den zukunftscouturiers in auftrag zu geben. die haltbarkeit tut nichts zur sache - zukunft hatte noch nie etwas mit der gegenwart zu tun, zu der sie werden soll, sondern ausschließlich mit der, die sie schuf.
Mittwoch, 28. September 2011
das leben als solches...
...ist eines der härtesten, und endet zumeist tödlich.
eine alte und abgenutzte bauernregel, fürwahr, aber wie vieles, was unsere vorväter uns, auf einer abgenutzten kohlenkiste sitzend, im fahlen schein einer torflampe erzählten, während sie sich über den knotigen bart strichen, hat auch diese weisheit einen wahren kern, der sich einem erst mit zunehmendem alter entblättert.
als lustiger, unverwundbarer jungspund, der in steilhängen picknickt, freihändig motorrad fährt und kondomfrei alles begattet, was nicht bereits gerafften rockes vom hof gesprungen ist, kann man sich kaum vorstellen, daß einen irgendwann auch diese erdenschwere ereilen sollte, die an der alten generation so nervt! man kann und darf eigentlich alles; wenn man auf die schnauze fliegt, war die welt nur noch nicht bereit.
irgendwann macht sich die klassische midlife-routine breit. manch einer zieht sich mit erwachsenwerden aus der affäre; das ist nicht die schlechteste lösung, schützt aber nicht vor dem, was dann kommt. denn die einschläge kommen näher. erst scheiden die großeltern dahin, was traurig stimmt, aber noch nicht zu sehr beunruhigt - sie hatten ein erfülltes und bewegtes leben, und mit mitte 80 darf man schon abtreten, das geht in ordnung.
nicht in ordnung geht das mit dem lieblingsonkel und seinem schlaganfall. der war immer so lustig, das ist er jetzt nicht mehr; und tantchen schon gar nicht, denn die hat ihn am hals, und seufzt eigentlich nur noch, wenn man die beiden besucht. aber als wirklich beunruhigend kann das auch noch nicht gelten, der geht ja auch schon auf die 60 zu, und man selbst ist ja noch in dem alter, in dem man sich nicht mal eine jüngere frau suchen möchte, weil die eigene noch reicht.
dann ist plötzlich der abteilungsleiter nicht mehr da. herzinfarkt. na gut, der hat geraucht wie ein schlot, und man munkelt auch von anderen substanzen, die man besser meiden sollte. aber der war gerade mal zehn jahre älter als man selbst. schock.
und dann geht es schlag auf schlag. freunde, bekannte, familie - überall platzen kleine und große malaisen aus den körpern unsere lieben, und man darf froh sein, wenn man sich selbst nur mit reizdarm und hautpilzen herumschlagen muß, und nicht mit schweren lebensmittelallergien, hörstürzen oder gar hautkrebs.
wer kinder hat, kennt die paranoia zu diesem zeitpunkt schon ganz gut. was alles passieren kann! jeder huster ein omen, jeder gliederschmerz, jede kränkelnde blässe der harmlose beginn eines schweren familienschicksals, möglicherweise der preis, den man nun dafür zahlen muß, daß man bislang so mopsig und sorgenfrei lebte. gibt es irgendwo im universum ein personalisiertes karmakonto? ich würde gerne mal mein saldo sehen. falls man je ein freund emotionalisierter filmmusik war - spätestens jetzt legt man zuhause keine soundtracks mehr in den player. alan silvestri oder john williams laden solche momente einfach mit zuviel schicksal auf.
es gibt natürlich auch diese andere sorte mensch, die sich nie was getraut hat, schon früh an asthma oder blutarmut litt und/oder bereits in jungen jahren liebe angehörige an den bösen schnitter verloren hat. diese menschen hätten vermutlich nie erwartet, daß diese widerwärtig gesunden, sportlichen, unbekümmerten gewinnertypen sie mal beneiden würden. doch genau das ist es, was zumindest die intelligenteren unter ihnen wohl tun: sie beneiden die, die sich schon früh im leben auf verfall und verlust einstellen mußten; und die ihr glück im kleinen finden, selbst wenn im großen alles zusammenbricht. wenn unter den verwerfungen der finanzkrise die familie nicht kaputtgeht; wenn der arbeitsplatzverlust zwar ein teures hobby unmöglich macht, dafür aber zeit für ein viel schöneres billiges hobby erbringt; wenn der lebenspartner sein karzinom noch ein paar monate länger als prognostiziert überlebt, und dadurch noch den frühsommer erleben kann.
aber vielleicht ist das auch eine schimäre. vermutlich starrt jeder auf den drohenden verlust wie das kaninchen auf die schlange; und möglicherweise macht die zahl der schon erlebten schmerzhaften momente die zu erwartenden nur noch schlimmer. drumherum kommt keiner.
ich hoffe, ich habe euch mut gemacht. 8)
eine alte und abgenutzte bauernregel, fürwahr, aber wie vieles, was unsere vorväter uns, auf einer abgenutzten kohlenkiste sitzend, im fahlen schein einer torflampe erzählten, während sie sich über den knotigen bart strichen, hat auch diese weisheit einen wahren kern, der sich einem erst mit zunehmendem alter entblättert.
als lustiger, unverwundbarer jungspund, der in steilhängen picknickt, freihändig motorrad fährt und kondomfrei alles begattet, was nicht bereits gerafften rockes vom hof gesprungen ist, kann man sich kaum vorstellen, daß einen irgendwann auch diese erdenschwere ereilen sollte, die an der alten generation so nervt! man kann und darf eigentlich alles; wenn man auf die schnauze fliegt, war die welt nur noch nicht bereit.
irgendwann macht sich die klassische midlife-routine breit. manch einer zieht sich mit erwachsenwerden aus der affäre; das ist nicht die schlechteste lösung, schützt aber nicht vor dem, was dann kommt. denn die einschläge kommen näher. erst scheiden die großeltern dahin, was traurig stimmt, aber noch nicht zu sehr beunruhigt - sie hatten ein erfülltes und bewegtes leben, und mit mitte 80 darf man schon abtreten, das geht in ordnung.
nicht in ordnung geht das mit dem lieblingsonkel und seinem schlaganfall. der war immer so lustig, das ist er jetzt nicht mehr; und tantchen schon gar nicht, denn die hat ihn am hals, und seufzt eigentlich nur noch, wenn man die beiden besucht. aber als wirklich beunruhigend kann das auch noch nicht gelten, der geht ja auch schon auf die 60 zu, und man selbst ist ja noch in dem alter, in dem man sich nicht mal eine jüngere frau suchen möchte, weil die eigene noch reicht.
dann ist plötzlich der abteilungsleiter nicht mehr da. herzinfarkt. na gut, der hat geraucht wie ein schlot, und man munkelt auch von anderen substanzen, die man besser meiden sollte. aber der war gerade mal zehn jahre älter als man selbst. schock.
und dann geht es schlag auf schlag. freunde, bekannte, familie - überall platzen kleine und große malaisen aus den körpern unsere lieben, und man darf froh sein, wenn man sich selbst nur mit reizdarm und hautpilzen herumschlagen muß, und nicht mit schweren lebensmittelallergien, hörstürzen oder gar hautkrebs.
wer kinder hat, kennt die paranoia zu diesem zeitpunkt schon ganz gut. was alles passieren kann! jeder huster ein omen, jeder gliederschmerz, jede kränkelnde blässe der harmlose beginn eines schweren familienschicksals, möglicherweise der preis, den man nun dafür zahlen muß, daß man bislang so mopsig und sorgenfrei lebte. gibt es irgendwo im universum ein personalisiertes karmakonto? ich würde gerne mal mein saldo sehen. falls man je ein freund emotionalisierter filmmusik war - spätestens jetzt legt man zuhause keine soundtracks mehr in den player. alan silvestri oder john williams laden solche momente einfach mit zuviel schicksal auf.
es gibt natürlich auch diese andere sorte mensch, die sich nie was getraut hat, schon früh an asthma oder blutarmut litt und/oder bereits in jungen jahren liebe angehörige an den bösen schnitter verloren hat. diese menschen hätten vermutlich nie erwartet, daß diese widerwärtig gesunden, sportlichen, unbekümmerten gewinnertypen sie mal beneiden würden. doch genau das ist es, was zumindest die intelligenteren unter ihnen wohl tun: sie beneiden die, die sich schon früh im leben auf verfall und verlust einstellen mußten; und die ihr glück im kleinen finden, selbst wenn im großen alles zusammenbricht. wenn unter den verwerfungen der finanzkrise die familie nicht kaputtgeht; wenn der arbeitsplatzverlust zwar ein teures hobby unmöglich macht, dafür aber zeit für ein viel schöneres billiges hobby erbringt; wenn der lebenspartner sein karzinom noch ein paar monate länger als prognostiziert überlebt, und dadurch noch den frühsommer erleben kann.
aber vielleicht ist das auch eine schimäre. vermutlich starrt jeder auf den drohenden verlust wie das kaninchen auf die schlange; und möglicherweise macht die zahl der schon erlebten schmerzhaften momente die zu erwartenden nur noch schlimmer. drumherum kommt keiner.
ich hoffe, ich habe euch mut gemacht. 8)
willkommen...
mein alltag ist ein quell nie versiegender ernüchterung; allein die fantasie, die inspiration, das reich der sinne und gelegentlich auch der eine oder andere komplett verstrahlte mitmensch ermöglicht es mir, stets den grünen hügel hinter dem grauen wolkenmeer der immergleichen verrichtungen und ansichten im blick zu haben - und dich, lieber leser, möchte ich mitnehmen auf diese, wie schon gesagt, reise in dein und mein inneres; in diesen dunklen tunnel der seele, und ich will dabei deine fackel sein - schwärzlich rußend und stinkend, gelegentlich tropfende brandblasen verursachend, aber dennoch erhellend, auf daß du stolpern, aber nicht fallen mögest.
und wenn du dich ausreichend beschwerst, werde ich mich möglicherweise auch zu anständiger groß- und kleinschreibung hinreißen lassen; je nachdem, woher mein seelenwind gerade pustet.
mögen sich deine stäbchen nie überkreuzen!
Abonnieren
Kommentare (Atom)