...ist eines der härtesten, und endet zumeist tödlich.
eine alte und abgenutzte bauernregel, fürwahr, aber wie vieles, was unsere vorväter uns, auf einer abgenutzten kohlenkiste sitzend, im fahlen schein einer torflampe erzählten, während sie sich über den knotigen bart strichen, hat auch diese weisheit einen wahren kern, der sich einem erst mit zunehmendem alter entblättert.
als lustiger, unverwundbarer jungspund, der in steilhängen picknickt, freihändig motorrad fährt und kondomfrei alles begattet, was nicht bereits gerafften rockes vom hof gesprungen ist, kann man sich kaum vorstellen, daß einen irgendwann auch diese erdenschwere ereilen sollte, die an der alten generation so nervt! man kann und darf eigentlich alles; wenn man auf die schnauze fliegt, war die welt nur noch nicht bereit.
irgendwann macht sich die klassische midlife-routine breit. manch einer zieht sich mit erwachsenwerden aus der affäre; das ist nicht die schlechteste lösung, schützt aber nicht vor dem, was dann kommt. denn die einschläge kommen näher. erst scheiden die großeltern dahin, was traurig stimmt, aber noch nicht zu sehr beunruhigt - sie hatten ein erfülltes und bewegtes leben, und mit mitte 80 darf man schon abtreten, das geht in ordnung.
nicht in ordnung geht das mit dem lieblingsonkel und seinem schlaganfall. der war immer so lustig, das ist er jetzt nicht mehr; und tantchen schon gar nicht, denn die hat ihn am hals, und seufzt eigentlich nur noch, wenn man die beiden besucht. aber als wirklich beunruhigend kann das auch noch nicht gelten, der geht ja auch schon auf die 60 zu, und man selbst ist ja noch in dem alter, in dem man sich nicht mal eine jüngere frau suchen möchte, weil die eigene noch reicht.
dann ist plötzlich der abteilungsleiter nicht mehr da. herzinfarkt. na gut, der hat geraucht wie ein schlot, und man munkelt auch von anderen substanzen, die man besser meiden sollte. aber der war gerade mal zehn jahre älter als man selbst. schock.
und dann geht es schlag auf schlag. freunde, bekannte, familie - überall platzen kleine und große malaisen aus den körpern unsere lieben, und man darf froh sein, wenn man sich selbst nur mit reizdarm und hautpilzen herumschlagen muß, und nicht mit schweren lebensmittelallergien, hörstürzen oder gar hautkrebs.
wer kinder hat, kennt die paranoia zu diesem zeitpunkt schon ganz gut. was alles passieren kann! jeder huster ein omen, jeder gliederschmerz, jede kränkelnde blässe der harmlose beginn eines schweren familienschicksals, möglicherweise der preis, den man nun dafür zahlen muß, daß man bislang so mopsig und sorgenfrei lebte. gibt es irgendwo im universum ein personalisiertes karmakonto? ich würde gerne mal mein saldo sehen. falls man je ein freund emotionalisierter filmmusik war - spätestens jetzt legt man zuhause keine soundtracks mehr in den player. alan silvestri oder john williams laden solche momente einfach mit zuviel schicksal auf.
es gibt natürlich auch diese andere sorte mensch, die sich nie was getraut hat, schon früh an asthma oder blutarmut litt und/oder bereits in jungen jahren liebe angehörige an den bösen schnitter verloren hat. diese menschen hätten vermutlich nie erwartet, daß diese widerwärtig gesunden, sportlichen, unbekümmerten gewinnertypen sie mal beneiden würden. doch genau das ist es, was zumindest die intelligenteren unter ihnen wohl tun: sie beneiden die, die sich schon früh im leben auf verfall und verlust einstellen mußten; und die ihr glück im kleinen finden, selbst wenn im großen alles zusammenbricht. wenn unter den verwerfungen der finanzkrise die familie nicht kaputtgeht; wenn der arbeitsplatzverlust zwar ein teures hobby unmöglich macht, dafür aber zeit für ein viel schöneres billiges hobby erbringt; wenn der lebenspartner sein karzinom noch ein paar monate länger als prognostiziert überlebt, und dadurch noch den frühsommer erleben kann.
aber vielleicht ist das auch eine schimäre. vermutlich starrt jeder auf den drohenden verlust wie das kaninchen auf die schlange; und möglicherweise macht die zahl der schon erlebten schmerzhaften momente die zu erwartenden nur noch schlimmer. drumherum kommt keiner.
ich hoffe, ich habe euch mut gemacht. 8)
Mittwoch, 28. September 2011
willkommen...
mein alltag ist ein quell nie versiegender ernüchterung; allein die fantasie, die inspiration, das reich der sinne und gelegentlich auch der eine oder andere komplett verstrahlte mitmensch ermöglicht es mir, stets den grünen hügel hinter dem grauen wolkenmeer der immergleichen verrichtungen und ansichten im blick zu haben - und dich, lieber leser, möchte ich mitnehmen auf diese, wie schon gesagt, reise in dein und mein inneres; in diesen dunklen tunnel der seele, und ich will dabei deine fackel sein - schwärzlich rußend und stinkend, gelegentlich tropfende brandblasen verursachend, aber dennoch erhellend, auf daß du stolpern, aber nicht fallen mögest.
und wenn du dich ausreichend beschwerst, werde ich mich möglicherweise auch zu anständiger groß- und kleinschreibung hinreißen lassen; je nachdem, woher mein seelenwind gerade pustet.
mögen sich deine stäbchen nie überkreuzen!
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